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Bundesland: Bayern Regierungsbezirk: Oberbayern Landkreis: Berchtesgadener Land Höhe: 473 m ü. NN Fläche: 39,44 km² Einwohner: 17.282 (31. Dez. 2007) Bevölkerungsdichte: 438 Einwohner je km² Postleitzahl: 83435 (alt: 8230) Vorwahl: 08651 Kfz-Kennzeichen: BGL (bis 1980: REI) Gemeindeschlüssel: 09 1 72 114 Stadtgliederung: 9 Ortsteile Adresse der Stadtverwaltung: Rathausplatz 1 83435 Bad Reichenhall Webpräsenz: www.stadt-bad-reichenhall.de
Bad Reichenhall ist Große Kreisstadt und Kreisstadt des Landkreises Berchtesgadener Land im Regierungsbezirk Oberbayern. Bad Reichenhall ist eine Kurstadt mit zahlreichen Solequellen und Solebädern.
Die gesamte Region war historisch
schon immer von der Salzgewinnung und -verarbeitung geprägt. Neben Bad
Reichenhall sind weitere Ortsnamen wie Salzburg, Hallein oder Hallstatt im
benachbarten Salzkammergut Zeugen dafür. Die um 1070 entstandene Hallgrafschaft
Reichenhall überwachte den regen Salzhandel. Salz war auf Grund seiner
konservierenden Eigenschaften zu dieser Zeit ein sehr kostbares Gut, es wurde
auch als Weißes Gold bezeichnet. Durch den Handel mit Reichenhaller Salz
entstand noch vor der ersten Jahrtausendwende der Handelsweg „Goldener Steig“,
der sich zum Bedeutendsten in Süddeutschland entwickelte.
Inwieweit hier die Salzproduktion in vorrömische Zeit reicht, ist bis dato
unklar. Bis zum Erscheinen der Römer 15 v. Chr. wird es sich vermutlich um eine
Saline mit lokaler Bedeutung gehandelt haben. Die Römer forcierten die
Salzproduktion und machten die Reichenhaller Saline zur leistungsfähigsten im
gesamten Alpenraum. Die auf natürliche Weise dem Erdboden entspringenden
Solequellen in Reichenhall wurden gefasst, das kostbare Nass in tönernen Öfen
versotten.
Bad Reichenhall vom Gipfel des Predigtstuhls
Bad Reichenhall vom Gipfel des Predigtstuhls
Auf Grund einer Schenkung des Bayernherzogs Theodo an den Hl. Rupert besaß der
Erzbischof von Salzburg ein Drittel der Saline. Damit war Reichenhall für etwa
500 Jahre der wichtigste Wirtschaftsstandort für die Salzburger Kirche. Ihren
deutschen Namen „Salzpurc“ verdankt die Stadt dem Reichenhaller Salz. Im
Mittelalter waren außerdem noch Reichenhaller Bürger und das Kloster Sankt Zeno
in Besitz der Solequellen und der ehernen Sudpfannen, die die alten Tonöfen
abgelöst hatten. Immer wieder kam es zu bewaffneten Auseinandersetzungen mit
benachbarten Orten, bzw. deren Einwohnern, in denen ebenfalls Salz produziert
wurde. So wurde 1196 (als Reaktion auf einen Überfall auf den neuen Konkurrenten
Berchtesgaden) Reichenhall von Truppen des Salzburger Erzbischofs in Schutt und
Asche gelegt. Die Stadt wurde später auf kleinerer Fläche neu errichtet und
erhielt als Schutz ihre (heute noch teilweise erhaltene) Stadtmauer. Seit 1198
produzierte die neue Saline im Salzburgischen Hallein, da inzwischen die
Salzlager am Dürrnberg wiederentdeckt wurden. Da die Reichenhaller Saline
komplett zerstört war, hatte Hallein von Anfang an die besten Voraussetzungen,
um die Marktführerschaft im Salzhandel zu übernehmen.
Im Spätmittelalter kamen die Reichenhaller Siedeherren immer mehr in Bedrängnis,
da die Qualität der Sole durch ungehindert eindringendes Süßwasser vermindert
wurde. Die Besitzer hatten jedoch nicht genug Kapital, um die dringend
notwendigen Investitionen zu tätigen. Schließlich gelang es im ausgehenden 15.
Jahrhundert den bayerischen Herzögen innerhalb eines einzigen Jahrzehnts, die
Quellen und die Sudpfannen in ihren Besitz zu bringen. Der Herzog hatte damit
den wichtigsten Wirtschaftszweig Bayerns (und damit enorme Steuereinnahmen)
gerettet. Bis zum Jahr 1619 hatte lediglich das Stift St. Zeno noch einen
eigenen Salinenbetrieb.
Mit der Inbesitznahme der Salzproduktion durch die Wittelsbacher begann die
Modernisierung der Saline. Um das Problem der zufließenden Süßwässer zu
beseitigen, wurden alle Solequellen in einem neuen zentralen Förderschacht, dem
so genannten „Hauptschacht“ zusammengefasst. Das zwangsläufig, wenngleich
unerwünscht vorhandene Süßwasser wurde kurzerhand als Oberflächenwasser durch
den so genannten Grabenbachstollen abgeleitet. Dieser verläuft noch heute, trotz
aller Wirren der vergangenen Jahrhunderte mit ihren vielfältigen Verwüstungen,
in etwa 14 Metern Tiefe knappe zwei Kilometer lang unterhalb der Stadt, ehe das
Wasser im Ortsteil Staufenbrücke in die Saalach mündet.
Um die Sole aus dem neuen Hauptschacht zu fördern wurde im Jahre 1440 ein
Paternosterschöpfwerk verwendet. Damit wurde die „menschliche Kette“ abgelöst.
Das Pumpwerk blieb bis auf kleinere Veränderungen bis zum Reichenhaller
Stadtbrand im Jahr 1834 bestehen.
Die Sole wurde in herzöglichen Sudhäusern zu Salz versotten. Der feuchte
Salzbrei wurde in Holzfässer gefüllt, die so entstandenen Salzfuder in großen
Öfen getrocknet und anschließend zerstoßen (dieser Vorgang konnte bei Bedarf
mehrfach wiederholt werden). Erst als Beschwerden über schwere Qualitätsmängel
des Salzes zunahmen, entschied man sich zu umfassenden Modernisierungsmaßnahmen
unter Leitung des Schweizer Baumeisters v. Claiss. Große Veränderungen für die
Saline brachte der Stadtbrand im November 1834, dem große Teile der Stadt und
die gesamte Saline zum Opfer fielen: die Pumpanlagen im Hauptbrunnhaus wurden
komplett erneuert, Herzstück wurden nun zwei große Wasserräder, die mittels zehn
Saug- und Druckpumpen die Sole aus dem Hauptschacht förderten. Von dort aus
wurde das Salzwasser in die benachbarten Solereserven gepumpt, von wo aus es je
nach Bedarf in eines der vier neuen Sudhäuser geleitet werden konnte.
Auch heute noch spielt das Salz in Bad Reichenhall eine große Rolle. Reichenhall
wurde nicht nur dank seiner Solebäder, die mit Wasser aus zahlreichen
Solequellen gespeist werden, zur so genannten Kurstadt, sondern es vermarktet
auch die Saline Bad Reichenhall sein Reichenhaller Markensalz in ganz
Deutschland und vielen Ländern der Welt.
Die Bad Reichenhaller Philharmonie wurde 1858 erstmals erwähnt, als „Bademusik unter Leitung des Stadtthürmermeisters Konrad Landrichinger“. 1868 gründete Joseph Gung'l das heute noch bestehende Orchester, nach ihm waren Karl Hünn, Gustav Paepke (Schwiegersohn von Joseph Gung'l) und, in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, Dr. Wilhelm Barth Leiter des Orchesters. Heute ist die Bad Reichenhaller Philharmonie ein ganzjährig spielendes anerkanntes Kulturorchester mit einem weitgespannten Repertoire.